Die Geschichte der 1.Kompanie

Bereits zu Beginn des vorherigen Jahrhunderts hatte sich der Lippstädter Stadtteil südlich der Bahnlinie stark erweitert. Die sich ständig vergrößernde Bewohnerschaft, vorwiegend Handwerker und Arbeiter bei der "Union", fanden kein Verhältnis zu den beiden Schützenvereinen nördlich der Bahnlinie. Das Gemeinschaftsgefühl, das innere Zusammenstehen zur Verwirklichung vielzähliger Interessen und Aufgaben wurde immer stärker. Der Gedanke zur Gründung eines Vereins rückte immer näher. Den ersten Schritt unternahm Herr Gottlieb Thiele. Bei einer Zusammenkunft am 04.03.1906 konnte er schon 43 gleich gesinnte Bürger des südlichen Stadtteils begrüßen. Er erläuterte das Ziel dieser Versammlung und hob besonders hervor, dass die Notwendigkeit bestehe, einen Schützenverein ins Leben zu rufen. Wörtlich führte er laut Protokollbuch des Südlichen Schützenbundes aus: "Der südliche Stadtteil bevölkert sich mehr und mehr und da ist es notwendig, die Eintracht und den Gemeinsinn seiner Anwohner zu fördern; denn diese Eigenschaften sind die Grundlage allen Gedeihens. Aber auch deshalb, weil unser Stadtteil in Bezug auf Festlichkeiten recht stiefmütterlich behandelt wird, ist es erwünscht, in unser Viertel etwas Leben zu bringen." Nach dieser Begrüßungsansprache wählten die Versammlungsteilnehmer den vorläufigen Vorstand. In der nachfolgenden Debatte wurde diskutiert, ob die Interessen des südlichen Stadtteils zukünftig von einem Bürgerverein oder von einem Schützenverein vertreten werden sollen. Man einigte sich auf die Form eines Schützenvereins. Der vorläufige Vorstand wurde beauftragt, bis zur Gründungsversammlung, zu welcher öffentlich eingeladen wurde, Statuten auszuarbeiten und die erforderlichen Vorarbeiten für eine Vereinsgründung zu erledigen. Diese Versammlung wurde bereits zum 18.03.1906 einberufen. Der Schützenverein wurde an diesem Tag gegründet. 76 Teilnehmer der Versammlung erklärten ihren Beitritt. Weil nicht alle Punkte der Tagesordnung erledigt werden konnten, wurde die Versammlung am 25.03.1906 fortgesetzt. Die an diesem Tag gewählten Deputierten wurden beauftragt, den Vereinsvorstand zu wählen.

 

Die erste Vorstandssitzung fand am 01.04.1906 statt. In der Zwischenzeit hatten die Deputierten den Vorstand gewählt. (Über diese Deputiertenversammlung existiert kein Protokoll.) Herr Heil teilte auf befragen mit, dass er die Wahl zum Oberst und 1. Vorsitzenden des Vereins annimmt. Obwohl das Protokoll keine Namen der andere Vorstandsmitglieder nennt, ergibt sich aus den später verfassten Protokollen die Besetzung der folgenden Vorstandspositionen: Der erste Vorstand des Südlichen Schützenbundes im Jahr 1906:

 

Oberst: Wilhelm Heil Major: Dietrich SchirmbeckRendant: Franz Hesse1. Schriftführer: Gottlieb Thiele2. Schriftführer: Franz Menke Dieser Vorstand wurde für zwei Jahre gewählt. Kompanieoffiziere, obwohl laut Satzung unter bestimmten Voraussetzungen vorgesehen, wurden zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewählt. Die Führungsaufgaben gegenüber der Schützengemeinschaft wurden vom Oberst und vom Major wahrgenommen.

 

Am 19.01.1908 wurde satzungsgemäß der Vorstand neu gewählt. Die Mitgliederzahl des Vereins war in den vergangenen zwei Jahren erheblich gewachsen. Hieraus ergab sich die Notwendigkeit, neben den bisherigen Vorstandsmitgliedern erstmals zwei Kompaniehauptleute und die zugehörigen Kompanieoffiziere zu wählen.

 

Nach dieser Wahl wurden zwei Kompanien gebildet und die Schützen der 1. oder der 2. Kompanie entsprechend ihren Wohnorten zugeteilt. Von der Bökenförder Straße aus gesehen wurden die links von der St.-Joseph-Kirche wohnenden Schützen der 1. Kompanie und die rechts wohnenden der 2. Kompanie zugeordnet.

 

Die Offiziere der 1. Kompanie im Führungsbereich und im Stab des Bataillons


In den vergangenen Jahren stellte die 1. Kompanie zahlreiche Offiziere im Führungsbereich des Bataillons. Stellvertretend für alle Offiziere sei hier Johann Walter genannt, der am 09.01.1908 zum Oberst und 1. Vorsitzenden des Südlichen Schützenbundes gewählt wurde. Über 42 Jahre hatte er den Verein geführt. Während dieser Zeit hatte er in zwei Abschnitten schwere Kämpfe bestanden, die das Fortbestehen des Vereins in höchstem Maße gefährdeten. Er wurde im Januar 1951 zum Ehrenoberst gewählt.

 

Heute hat die 1. Kompanie die nachfolgenden, auf Lebenszeit gewählten Ehrenoffiziere in ihren Reihen:

 

Oberst Heinz Wittmers

Major Heinz Nagel

Major Eberhard Wiemeyer

Hauptmann Theodor Menne

Major Klaus Laufkötter

Hauptmann Gerhard Steinmann

Major Friedhelm Oel

 

Das Kompanielokal der 1. Kompanie


War auch der Gasthof Hesse Gründungs- und Vereinslokal, so trafen sich die Schützen ebenfalls im "Gasthof zur Kornblume", der annähernd zur gleichen Zeit mit dem Gasthof Hesse gebaut wurde. Hier fanden die Schützen den Namen ihrer Kompanie.

Sie nannten sich: KORNBLUMENKOMPANIE.

Die Veranstaltungen der Kompanie


Der Neujahres-Frühschoppen

Im Januar eines jeden Jahres lädt die 1. Kompanie ihre Schützen mit ihren Angehörigen zu einem zünftigen Frühschoppen ein.Die Veranstaltung beginnt mit der Neujahrsrede des Hauptmanns. Er wünscht allen Offizieren, Schützen und Gästen ein gutes neues Jahr und gibt in seiner Ansprache die kommenden Termine der mit Spannung erwarteten Veranstaltungen bekannt.

 

Zur Unterhaltung spielt das Panik Orchester aus dem Sauerland auf. Die Musiker, die in verschiedenen Blaskapellen im Sauerland beheimatet sind, spielen bekannte Märsche. Spätestens dann wird bei vielen Beteiligten die Vorfreude auf die zahlreichen Veranstaltungen der 1. Kompanie und des Südlichen Schützenbundes geweckt.

 

Das Osterfeuer

 

Erstmalig im Jahre 1997 hatte die 1. Kompanie am Ostersonntag beim Anbruch der Abenddämmerung ein Osterfeuer auf dem Vorplatz der Schützenhalle abgebrannt. Jahr für Jahr kommen mehr Besucher, um an diesem traditionellen Osterbrauch teilzunehmen.

Das Osterfeuer ist entfacht.

Für die Organisatoren dieser Veranstaltung beginnen die Vorbereitungsarbeiten schon einige Wochen früher. Alle Schützen der Kompanie werden eingeladen, Werbeplakate werden ausgehängt und in der lokalen Presse wird für die Veranstaltung, die das Kompaniefest der Kornblumenkompanie ist, geworben.

Einige Tage vor dem Ostersonntag schichten die Offiziere und Schützen Strauch und Baumschnitt, der zum Teil von den Anwohnern angeliefert wird, zu einem riesigen Berg für das Osterfeuer auf, das unter der Aufsicht der Freiwilligen Feuerwehr Lippstadt entflammt wird. Neben dem Osterfeuer erwartet die Besucher ein buntes Programm. Für die kleinen Gäste bringt der Osterhase süße Überraschungen mit. Auch wird für das leibliche Wohl der Besucher mit Spezialitäten vom Grill gesorgt. Ebenso ist ein Getränkestand aufgestellt.

Eine große Tombola lockt mit vielen attraktiven Preisen. Als Hauptgewinn winkt z. B. ein Rundflug über Lippstadt und Umgebung. Eine Hüpfburg wird aufgebaut, auf der sich die Kinder bis zum Anzünden des Osterfeuers vergnügen können. Kinderaugen geraten beim Anblick der Flammen ins Strahlen. Auch die Erwachsenen blicken mit Freunde auf das große Feuer, deren Flammen den Abend erhellen und die Kälte vertreiben.

Nach dem Abbrennen des Osterfeuers wird zu Musik und Tanz in die österlich geschmückte Schützenhalle eingeladen. Zunächst erfolgt aber die mit Spannung erwartete Ausgabe der Tombolagewinne. Für die richtige Partystimmung sorgt anschließend ein DJ mit Tanzrhythmen für Jung und Alt. Auch in der Schützenhalle ist ein Getränkestand aufgebaut. und die in den Tanzpausen erforderlichen Erfrischungsgetränke werden an der Longdrinkbar angeboten.

Der Osterhase und der Hauptmann Ralf Schulte verteilen die Süßigkeiten an die Kinder


Das Kinderschützenfest


Als ein besonderes Fest hat sich das bereits traditionelle Kinderschützenfest entwickelt. Seit 1975 stehen hier unsere Kinder im Vordergrund, denen wir die Traditionen unseres Schützenbundes und den Spaß am Schützenfest vermitteln möchten. Der Höhepunkt der alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung ist natürlich das Vogelabwerfen zur Ermittlung des Kinderschützenkönigs. Die jungen Königsanwärter werfen mit Keulen auf den von Helmut Walter gebauten Holzvogel, der dem originalen Aar in nichts nachsteht. Nachdem der Apfel,- Zepter- und Kronprinz ermittelt ist, feuern die Mädchen die eifrigen Werfer an, um später vom erfolgreichsten Schützen zur Königin auserwählt zu werden. Bei der anschließenden Proklamation erhält der Kinderkönig die wertvolle Königskette und die Königin die Krone. Diese Insignien dürfen sie beim Festumzug des nächsten Schützenfestes als Kinderkönigspaar tragen. Kinderkönigspaare:

1975 Michael Buxelbroer und Valeria Huneke

1978 Thomas Wiemeyer und Sabine Seip

1980 Franz-Wilhelm und Claudia Walter

1982 Thorsten Konert und Susanne Netzker

1984 Thorsten Mackenbrock und Sabine Stöppel

1986 Dirk Walter und Julia Stratmann

1988 Dennis Knüppel und Bianca Ricks

1990 Thorsten Fotorek und Bianca Ricks

 

1992 Markus und Jennifer Stratmann

1994 Mario Massimo und Sandra Knop

1996 Dennis Cordes und Sandra Massimo

1997 Jörg Blömeke und Jennifer Harmann

1999 Sascha Kleinschmidt und Laura

2001 Sascha Vark und Janine Milne

2003 Timo Zimmermann und Sarah Scholz

2005 Patrick und Nathalie Wolter

 

Viele der damaligen Könige sind heute gestandene Schützenbrüder und besuchen mit ihren Familien und Kindern unser Fest. Aber auch für alle Erwachsenen hat das Rahmenprogramm eine Menge zu bieten, sowohl in musikalischer, als auch in kulinarischer Hinsicht. Hier muss einfach die leckere Erbsensuppe erwähnt werden, die uns unsere Freunde der Adlergruppe Lippstadt kochen und uns aus der Gulaschkanone servieren. Neben Spielständen, an denen sich die Besucher vergnügen können, denken sich die Organisatoren immer wieder Höhepunkte aus. So waren in den vergangenen Jahren die Aussicht aus einem Krankorb aus einer Höhe von 40 Metern auf unsere Stadt und der Start eines Heißluftballons besondere Erlebnisse. Da wir diese Veranstaltung besonders für die Nachwuchsarbeit im Südlichen Schützenbund für sehr wichtig erachten, und wir viele Schützen mit ihren Familienangehörigen aus dem gesamten Südlichen Schützenbund als Gäste begrüßen konnten, wird diese Veranstaltung ab dem Jahr 2005 gemeinsam mit den anderen Kompanien durchgeführt.

 

Der Wandertag der 1. Kompanie

 

Im goldenen Herbst, im November, hat sich eine Veranstaltung etabliert, die seit dem Jahr 2001 die jungen und die alten Schützenbrüder auf die Reise schickt. Schon am frühen Nachmittag eines Samstages versammeln sich die wanderwilligen Schützenbrüder, um nach Langeneicke aufzubrechen. Zwar werden 15 km zurückgelegt, aber im Vordergrund stehen natürlich Geselligkeit und Frohsinn und das Ziel, einen schönen Nachmittag miteinander zu verbringen. Unterwegs gibt es auch eine kleine Stärkung. Am gedeckten Tisch werden die Wanderer im Wald zu Kaffee, Kuchen, Bier und einem westfälischen Klaren, der die Herbstkühle aus dem Körper treibt, erwartet.


Die Wanderer der 1. Kompanie im Jahr 2003 Als Belohnung wird dann nach der langen Wanderung in eine rustikale und zu gastronomischen Zwecken umfunktionierte Scheune in Langeneicke eingekehrt. Hier wird dann bei ausgelassener Stimmung sowohl ein leckeres Bier getrunken als auch ein gutbürgerliches Menü, vorbereitet von unserem Kompaniekoch Jupp alias Johannes Vogt, verzehrt. In angenehmer Atmosphäre wird viel geklönt, über vergangene und auch über zukünftige Zeiten angeregt diskutiert und philosophiert. Schnell verfliegen die Stunden, und am frühen Abend wird dann der Rückweg mit einem Bus angetreten.

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